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Die Arbeiterfrage unter dem Gesichtspunkte des Vereinsrechtes / Ludwig Bamberger
Entstehung
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Die Äcisscntn'imuug.

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aus der Kollision der Freizügigkeit mit der Unterstützungs-pflicht der Gemeinden entstehen können!" So die Motive;nnd soweit das von Schmoller unterstützte Zwangskassen-wesen noch in Kraft steht, beruht es auf diesen maß-gebenden Triebfederu. Mit der Vermischung der Kassen-zwecke, mit der Solidarisiruug von Jnvaliditäts-, Krank-heits- und Strikezwecken, wird also eine Arbeitsein-stellungszwangskasse aus derjenigen Anstalt, welcheursprünglich die Bestimmung hatte, die Gemeinden gegendie Folgen unvorsichtigen Zuzugs, d. h. gegen zeitweiseArbeitslosigkeit der zugezogenen industriellen Bevölkerungzu schützen.

Obwohl im Feuer der Verhandlungen diese Gegen-sätze sich nicht zur Klarheit durchzuarbeiten vermochten,war doch in der Eiseuacher Versammlung die allgemeineEmpfindung von der Abenteuerlichkeit der Excursionen vor-herrschend, zu welchen der gelehrte Referent seine Collegeneinlud; und unter dem Druck dieses Widerstrebens wurdendie betreffenden Anträge wieder fallen gelassen.

Offen blieb demnach noch die Frage, insoweit sie,seitwärts von dem staatlichen Zwang, nur zu untersuchenhat, ob vou der Gesetzgebung, eventuell der Wissenschaftüberhaupt, die freien Arbeiterverbindungen zu einem Sy-stem der vermischten oder zu einem System der getrenntenKassen zu ermuntern seien. Letzteres schien der Commis-sion des Reichstags in so hohem Grade gerathen, daß siees znr Vorbedingung der gesetzlichen Anerkennung der Ge-werkvereine machte. Die Gründe, welche hierzn bestim-men, liegen auf der Hand. Wer in den Gewerkvereinendas sieht, was dieselben nach Auslegung ihrer offiziellenVertreter in Deutschland zu sein behaupten, wird auchdarauf bedacht sein, daß nicht die zum Schutz gegen die