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Die Arbeiterfrage unter dem Gesichtspunkte des Vereinsrechtes / Ludwig Bamberger
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Eilftes Capitel.

Wechselfälle des Lebens gesammelten Gelder in mehr oderminder erfolgreichen strategischen Versuchen zur Brechungdes Widerstandes der Arbeitgeber verpufft werden. Vonder Gegenseite wird behauptet, diese gute Absicht schlügebei der Trennung der Kassen gerade in schädliche Wirkungum. Habe ein Verband nur eiue einzige Gewerkskasse,- aus welcher je nach Bedürfniß bald die Kranken verpflegt,bald die Gestorbenen beerdigt oder auch bald Lohnansprücheoder sonstige Arbeitsbedingungen durchgefochten werdensollen, so werde das Eigenthums- und Selbsterhaltungs-interesse der Betheiligten schon darüber wachen, daß keinegefährlichen Strike - Experimente die Kassen unverseheusaufsaugen. Bestehe dagegen eine abgesonderte Strike-,d. h. Kriegskasse, so liege in dieser selbst die fortwährendeAufforderuug zu ihrer Verwerthung, der kein anderesInteresse die Wage halte. Theoretisch macht sich die Be-trachtung ganz gut. Wer aber die Menschen überhauptund insbesondere auf dem Gebiet der Arbeiterbewegungkennen gelernt hat, wird sich von der scheinbaren Klugheitdieser Berechnung nicht blenden lassen. Weiß man schon,welch ein unselbstständiges nnd jasagendes Wesen der ge-wöhnliche Actionär einer finanziellen Gesellschaft ist, beidein doch keine Leidenschaft und keine subjective Empfin-dung ins Spiel kommt; wie leicht er sich bestimmen läßt,überall hin einen: sachführenden Verwaltungsrath zu fol-gen, selbst gegen sein nüchternes Geldinteresse, so wirdman ohne Mühe sich vorstellen können, wie wenig Wider-standskraft die haushälterischen Bedenken eines Arbeitersin einer Berathung über die Kriegserklärung gegen einenFabrikbesitzer aus dem Gedanken an die Schonung seinesKasseilbestandes schöpfen mögen. Es bedarf wahrlich dazunoch nicht, daß man sich die begeisterten und überzeugten