Tie Kcisseittrcnnung.
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Reden der großen Wortführer bei einer solchen Debattemit aller dabei ausstrahlenden Wärme versinnliche, umabzuwägen, mit wie leichtem Gewicht die rechnenden Be-griffe und die verstandesmäßigen Urtheile in der Wagschaleder Entschlüsse ziehen werden. Die Redner brauchen ausunseren gelehrten Schriften über Gewerkvereine nur dieVerwünschungsformeln gegen den Egoismus des Kapitalsauswendig zu lernen, um jeden Widerstand zu brechen.
Auf der andern Seite werden die, welche Arbeits-einstellung sür die erste Bedingung der Verbesserung hal-ten, mit Recht sich der Trennung der Kassen widersetzen.Eine besonders zu Strikezwecken gebildete Kasse wird immereine schwach ausgestattete sein. Neuerdings hat im Schooßedes deutschen Gewerkvereins der Verband der Buchbinderden Gedanken der Kassentrennung adoptirt, und, wie esscheint, nicht gerade aus Antipathie gegen die Strikes,sondern um unzweifelhaft parate Mittel für dieselben jeder-zeit verfügbar zu haben. Zu dem Ende schlug er vor,10 Prozent der Gesammteinnahmen des Verbands fürStrikezwecke abgesondert zu halteu. Aber was wären10 Prozent bei Einnahmen, die, wenn es hoch kommt,bis jetzt ein- oder mehrmals zehntausend Thaler erreichen!Auch schloß die Centralleitung diesen Gedanken aus. Selbstin dem milden Sinn, daß der Gewerkverein nur als dieMöglichkeit einer Arbeitseinstellung wirken soll, ver-mag er die Gegenpartei nur dann einigermaßen einzu-schüchtern, wenn er mit seiner Gesammtkasse im Hinter-grunde steht. Bei partiellen, getrennten Kassen für Strike-zwecke würden die meisten Arbeitseinstellungen im Keimeersticken. Diese Kassen würden schon deßhalb sich wenigfüllen, weil die Anziehungskraft auf die Beisteuerlust desArbeiters iu friedlichen Zeitläuften mehr von dem Wunsch