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Die Arbeiterfrage unter dem Gesichtspunkte des Vereinsrechtes / Ludwig Bamberger
Entstehung
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Schieds- und Einigungsämter.

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Versuche ab, das Lehrlingswesen wieder in die Zunft-schranke zurückzuschrauben, um eiu Privilegium zu Gunstender älteren Arbeiter aufzurichten; ein Bestreben, welchesauch bei unseren sozialistischen Gelehrten mit unendlicherEmphase beschönigt wird. Kettle ist ebenso unerbittlichgegen die Arbeitgeber, als gegen die Arbeiter. Auchersteren weist er in seiner gesunden Sprache nach, wielächerlich es ist,den Wetterhahn gegen den Wind" zuuagelu. Seine kräftige Aeußerung über die Unzulänglich-keit der leitenden Kraft in den Gewerkvereinen haben wirschon an einer anderen Stelle ausgezogen.

Einen sehr interessanten Nebeneinblick gewährt eineStelle dieser kleinen Schrift (Titel: Strikeg ancl ^i-bi-trg.tions etc. R.ujzkrt Xettls, I^onäou KimMinNai-skall ck <üo.) in die Wirkung der Lohnbeschlagnahme,die wir in Deutschland abgeschafft haben, während sie inEngland erst vermöge der Einrichtung der Grafschafts-gerichte vor noch nicht langer Zeit möglich gewordenist. Kettle behauptet, nicht allein die Kassen der Gewerk-vereine, sondern die Möglichkeit, auf Borg zu leben,welche durch die Beschlagnahme der Löhne einen Bodenbekommen, trage den Arbeitseinstellungen bedeutendenNährstoff zu. Die kleinen Schulden, welche vor dieGrafschaftsgerichte gebracht werden, haben enorm zuge-nommen. (Im Jahr 1864, in welchem die Schrift erschien,waren 730,079 Klagsachen wegen Forderungen unter20 Pfund Sterling eingegangen, deren ein sehr starkerBruchtheil von sinkenden Arbeitern contrahirt worden.)

Kettle's Verfahreu besteht einfach in der Sicherungschiedsrichterlicher Entscheidung durch vorausgehenden Conl-promiß, welcher nach feststehenden Formeln von vorn-herein zwischen beiden Theilen abgeschlossen wird in dem

Bambcrger, Arbeiterfrage.

Ili