Schieds- und Einigungscimtcr.
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Es sagt gleichsam zu den Betheiligten: setzt nur die Ver-söhnungsanstalt in euer Statut; von allen geduldigenPapieren ist ein Statut das geduldigste; thun könnt Ihrdoch immerhin, was Euch beliebt. Diese Aufforderungzur Verspottung des Gesetzesbuchstabens liegt im Lasker'-schen Vorschlag, wie in dem Paragraphen der Commission,weil er in der Natur der Dinge liegt; und in solchemFalle besteht das geringere Uebel noch darin, daß dasGesetz sich nicht durch einen Aufwand wirkungsloser Detail-vorschriften zur Selbsttäuschung hinneige.
Der fromme Betrug ist hier um so leichter, alssämmtliche mehr oder minder sozialpolitische Gruppen sichohue Ausnahme theoretisch gegen den Strike erklären, vonder Internationalen bis zn Hirsch-Duncker. Noch neuerlichhat der „Volksstaat" sich sehr feierlich zu Gunsten derEinigungsämter ausgesprochen. Noch mehr erkennen dieLassalleaner dieselben an, und in dem Glaubensbekenntnißder Hirsch-Duncker'schen bildet das Einigungsamt so zusagen das Schiboleth, über das sehr viel geschrieben undgesprochen wird; auch sind an einigen Orten, z. B. inGrüneberg in Schlesien von dem Ortsverein der Tuchmacher,dergleichen Aemter eingerichtet worden, die in vereinzeltenFällen mit Erfolg eingetreten sein sollen.
Also in der Theorie haben wir hier die freieste Bahn,die man sich nur wünschen kann, eine Gluth von schönsterHoffnungsmorgenröthe. Alle Parteien werden sich auf denGesetzesparagraphen stürzen, welcher die Einrückung desEinigungsapparats als eonckitio sine Hua non vorschreibt,um ihn mit Glanz in ihren Statuten abzudrucken.
Ob damit an dem thatsächlichen Gang der DingeEtwas geändert werden kann, mag sich ein Jeder nachseiner Erfahrung in menschlichen Dingen überhaupt und