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Die Arbeiterfrage unter dem Gesichtspunkte des Vereinsrechtes / Ludwig Bamberger
Entstehung
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^chlußbetrachlung.

Sie konnten sich gar nicht in einer andern Geistesverfassungbefinden. Die ganze Sache existirt seit zwei bis dreiJahren, deren eines das des großen Krieges; sie spieltein Berlin und nebenbei an einigen zerstreuten Orten inkleinen Zahlenverhältnissen, und vermochte auch unterVoraussetzung der besten Anlagen noch keinen erfahrungs-mäßigen Beweis ihrer Wirksamkeit beizubringen. Niemalsim Lause der endlosen mühseligen Berathungen ist esmöglich gewesen, von den Fürsprechern der Sache etwaswie eine aktenmäßige Ziffer über den Kopfbestand zu er-mitteln. Auch heute ist es noch nicht gegeben, auf öffent-lich zugänglichem Wege etwas Genaueres darüber zu er-fahren. Seit dem ersten Aufbau der proklamirten 30,000,bis zu den bescheideneren 10,000 oder 11,000, welche aufindirektem Weg aus den Angaben von 1871 herauszu-rechnen waren, ist nichts mehr, wenigstens den Draußen-stehenden, bekannt geworden. Unter der Hand werdengesprächsweise 1S,0»0 genannt, wie viele davon, wie injeder Armee, nur auf dem Papier, steht dahin.

Und nun darf man wohl ohne Uebertreibung fragen:ob es rechtfertigbar ist, daß auf diesem schlüpfrigen Ge-biete die Gesetzgebung der vierzig Millionen Deutscheneinen entscheidenden Schritt versuche, iu einein kritischenMoment, wie der heutige, mit keinem andern Boden unterden Füßen, als dem dieser persönlichen Improvisationeiniger politischen Kreise an einigen zerstreuten Punktenmit einer Vergangenheit von zwei bis drei Jahren!

Welche thatsächliche Erfahrungen und Voraussetzungenblieben etwa sonst noch zur Verfügung der Architekten,die den gesetzgeberischen Bauplan entwerfen sollten? DieGewerkschaften der Internationalen uud die Arbeiterschaftender Lassallianei? Wenn der deutsche Reichstag Lust fühlte.